Gemeinsames Gedenken am 27. Januar 2026
Der 27. Januar ist Mahnung und Versprechen zugleich. Er erinnert uns daran, menschlich zu bleiben und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Für uns als Schulgemeinschaft war es daher selbstverständlich, an diesem Tag den gewohnten Unterricht ruhen zu lassen und bewusst ein Zeichen zu setzen.
Am Internationalen Holocaust-Gedenktag gedachten wir der Opfer des Nationalsozialismus. Das Datum erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Jahr 1945 und fordert uns dazu auf, Erinnerung lebendig zu halten. Statt des regulären Unterrichts standen Besinnung und Auseinandersetzung im Mittelpunkt. In mehreren Redebeiträgen brachten Schülerinnen und Schüler ihre Gedanken, Gefühle und Fragen zum Ausdruck und verdeutlichten, dass Gedenken weit über einen bloßen Rückblick hinausgeht.
Ein besonderer Beitrag griff diese Idee auf: Das Gedicht „Trauer“ von Selma Meerbaum-Eisinger zeichnete das Bild einer kalten, farblosen Welt, geprägt von Erschöpfung, Armut und Gleichgültigkeit. Es machte eindringlich sichtbar, dass Unmenschlichkeit nicht plötzlich entsteht, sondern dort beginnt, wo Mitgefühl schwindet und Wegsehen zur Gewohnheit wird.
Im Zentrum des Tages stand das Gedenken an die Millionen Menschen, die vom nationalsozialistischen Regime verfolgt, entrechtet und ermordet wurden – darunter Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politische Gegner, Homosexuelle sowie viele weitere Minderheiten. Dabei wurde betont, dass sich hinter jeder Zahl ein individuelles Schicksal verbirgt.
Die Beiträge machten deutlich, dass der Holocaust nicht aus dem Nichts entstand, sondern seinen Anfang in Ausgrenzung, Hass und Gleichgültigkeit nahm. Daraus erwächst auch für unsere Gegenwart eine klare Verantwortung: Diskriminierung, Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.
Der 27. Januar wurde somit nicht nur als Gedenktag verstanden, sondern als Auftrag. Als Schulgemeinschaft sehen wir es als unsere Aufgabe, Erinnerung wachzuhalten, Zivilcourage zu zeigen und für Menschlichkeit, Respekt und demokratische Werte einzustehen – nicht nur für uns selbst, sondern für die gesamte Gesellschaft.
„Nie wieder“ ist kein abgeschlossener Satz der Geschichte, sondern ein Versprechen, das wir jeden Tag aufs Neue einlösen müssen.
Von Thorben Schmelz und Leonie Hohm
